Arbeitsbesuch auf der „Saftbahn“-Strecke
Nachdem sie im Februar die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Strecke Bitterfeld – Zörbig – Stumsdorf vorgestellt hat, hat sich die Ministerin für Infrastruktur und Digitales, Dr. Lydia Hüskens, heute vor Ort einen Eindruck vom gegenwärtigen Zustand der „Saftbahn“-Strecke verschafft. Sie nahm dafür an einer Streckenbefahrung des Projektteams teil.
„Für die Umsetzung der Reaktivierung müssen alle Projektpartner an einem Strang ziehen. Umso erfreulicher ist es, dass so viele von ihnen heute an dem Termin teilnehmen und sich aktiv an den Vorbereitungen beteiligen“, sagte Ministerin Hüskens in Bitterfeld. „Es ist wichtig, dass wir zügig anfangen, bei den anstehenden Planungsschritten keine Zeit verlieren und fokussiert mit möglichst wenigen Varianten weiterarbeiten“, hob sie hervor. Ziel der heutigen Befahrung sei es, direkt vor Ort frühzeitig mögliche Ausschlusskriterien oder Vorzugsstandorte für Haltepunkte zu erkennen.
„Die Reaktivierung von Bahnstrecken ist eine Möglichkeit, um Kapazitätsengpässe zu beseitigen, die Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs zu erhöhen und zentrale Verbindungen zu beschleunigen. In Sachsen-Anhalt setzen wir dabei vorrangig auf das bestehende, bereits sehr dichte Streckennetz. Reaktivierungen können – sofern noch Infrastruktur vorhanden ist – wirtschaftlich sinnvoll sein, ersetzen aber nicht überall den Neubau. Voraussetzung ist stets ein nachgewiesener verkehrlicher und volkswirtschaftlicher Nutzen. Dann kann die Finanzierung überwiegend über Bundesmittel gestemmt werden“, ergänzte Lydia Hüskens. Das Land trage aber die Hauptverantwortung für die Finanzierung der Planungskosten.
Die von der NASA GmbH in Auftrag gegebene Studie zur Machbarkeit einer Reaktivierung der Strecke Bitterfeld – Stumsdorf ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Umsetzung langfristig möglich ist, wenn die weiteren Planungen keine erheblichen Mehrkosten ergeben. Rund 31.000 Menschen könnten damit an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angebunden werden. Die Gutachter schätzen die Kosten nach heutigem Stand auf 130 Millionen Euro, 90 Prozent davon könnten durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gefördert werden.
Hintergrund
Seit 28. September 2002 ist der Schienenpersonenverkehr (SPNV) auf der Strecke Bitterfeld – Stumsdorf abbestellt, ab Ende Juli 2004 rollte auch kein Güterverkehr mehr. Auf Betreiben der Stadt Zörbig konnte der Streckenabschnitt Bitterfeld – Zörbig im August 2005 zumindest für den Güterverkehr wieder in Betrieb genommen werden. Die Entwicklung der Region ließ zunehmend auch mögliche Perspektiven im SPNV erkennen. Politiker der Region und viele Bürgerinnen und Bürger setzen sich daher seit Jahren für eine Reaktivierung der Strecke ein. Nicht zuletzt, weil die angrenzenden Straßen, insbesondere die B 183, vom Autoverkehr dauerhaft überlastet sind. 2024 beauftragte die NASA GmbH die Machbarkeitsstudie, die das mögliche Potenzial einer Reaktivierung erfassen sollte. Sie wurde im Verlauf des letzten Jahres durch das Ingenieurbüro Transport Consult GmbH (PTV) und die Transport Technologie Consult durchgeführt. Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie: mein-takt.de/saftbahn
