Der Auftrag für die Leistungen im DISA-Netz wurde in einer europaweiten Ausschreibung vergeben. Im Vergabeverfahren setzte sich Abellio mit dem wirtschaftlicheren Angebot durch. Die Entscheidung für die Vergabe erfolgte nach objektiven Kriterien. Die Vorgaben waren für alle Bewerber gleich und bewerteten nicht nur den Preis, sondern auch qualitative Kriterien. Es gab keinen Anlass, an der Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu zweifeln. Bereits seit Dezember 2015 betreibt Abellio das Saale-Thüringen-Südharz-Netz (STS).

Die Qualitätsvorgaben im Verfahren sind hoch; bei Mängeln sind im Vertrag schmerzhafte Geldstrafen (Pönalen) vorgesehen. Für das Unternehmen ist dies ein starker ökonomischer Anreiz, genügend Personal und zuverlässige Technik vorzuhalten, um Ausfälle und damit Einbußen zu vermeiden.

Im Vergabeverfahren wie im Verkehrsvertrag war und ist ein schlüssiges Konzept zur Personalgewinnung vorgeschrieben. In Vorbereitung der Betriebsaufnahme gab es drei Jahre lang regelmäßige, zunehmend enger getaktete Abstimmungen zwischen der NASA und Abellio. Dabei wurde seitens Abellio stets dargelegt und versichert, dass das nötige Personal (Triebfahrzeugführer) bis zur Betriebsaufnahme zur Verfügung stehe. Dagegen informierte Abellio frühzeitig, dass nicht ausreichend Kundenbetreuer angestellt werden konnten, so dass die geforderte Quote von 100 Prozent Zugbegleitung nicht erreicht werden könne.

Erst nach Betriebsaufnahme – nach Auftreten der Probleme und mehrmaliger Aufforderung – wurde das Personalproblem bekannt. Am 4.1.2019 informierte Abellio schließlich über das vollständige Ausmaß. Nach jetziger Einschätzung bestand aufgrund fachlicher und organisatorischer Mängel im Unternehmen selbst kein klares oder ein falsches Bild vom Sachverhalt; eine gezielte Täuschung ist nicht anzunehmen.

Diese Falschinformation der Reisenden, der Öffentlichkeit und des Vertragspartners ahndete die NASA GmbH mit einer Rüge. Gleichzeitig wurde eine scharfe Kontrolle mit Vorgaben zu Berichtspflichten und organisatorischen Änderungen eingerichtet.

Auf der Grundlage des Verkehrsvertrages werden alle ausfallenden Fahrten gar nicht bezahlt oder – bei Busersatzverkehr – mit vermindertem Entgelt. Besonders schmerzhaft für Abellio sind zusätzlich die Infrastrukturgebühren (Nutzung der Gleise und Anlagen) etwa in Höhe der ausgefallenen Leistung, die bei Ausfall nicht von der NASA beglichen werden, sondern vom Unternehmen selbst zu tragen sind.

Abellio hat vorgetragen, auf welchem Weg in den nächsten Monaten die Lücken im Personalbestand geschlossen werden sollen. Es ist erkennbar, dass Abellio alle denkbaren Anstrengungen unternimmt, um den Vertrag zu erfüllen. Es bleibt das weitere Verhalten und dessen Ergebnis abzuwarten.